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Peter Jackson lässt das berühmteste Monster der Filmgeschichte zu neuem Leben erwachen und kämpft dabei mit den ältesten Problemen des Kinos.
Genre: Abenteuer
Starttermin: 14.12.2005
Regisseur: Peter Jackson
Schauspieler: Naomi Watts, Adrien Brody, Thomas Kretschmann
Entstehungszeitraum: 2005
Land: NZ / USA

Wenn Affen lieben ...
(tsch) Früher sahen Katastrophenfilme so aus: Die ersten 75 Minuten ein wenig Handlung, danach die Katastrophe. Nach 100 Minuten war das Schauspiel vorüber. Oft genug gingen Regisseure auch in den vergangenen Jahren noch in diese dramaturgische Falle, und nur James Cameron wusste in "Titanic" mit dem naturgemäß auferlegten Spannungsbogen umzugehen. Auch in Peter Jacksons "King Kong" dauert es eine ganze Weile, bis das Monster auftaucht, aus dem - anders als noch vor Jahren bei "Godzilla" - diesmal überraschend im Vorfeld kein Geheimnis gemacht wurde. Rund 65 Minuten vergehen, und Peter Jackson tut sich schwer in dieser Zeit. Dann aber folgt Kongs Auftritt. Der Affe ist, wie soll man's sagen, erstaunlich lieb.

Mit der Neuverfilmung von "King Kong" erfüllte sich Peter Jackson einen Herzenswunsch. Sicher, er hätte jeden Film fordern können. Nach dem gewaltigen Erfolg seiner "Herr der Ringe"-Trilogie hatte er nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell alle Möglichkeiten. 20 Millionen Dollar erhielt er selbst, mehr als jeder andere Filmemacher vor ihm. Der Regisseur als der Star? Dass es ausgerechnet der größte Katastrophenklassiker aller Zeiten ist, passt zu den hohen Ansprüchen des Neuseeländers. Zumal "King Kong", wenn man so will, "erlaubt" war. 30 Jahre sind seit der letzten ernst zu nehmenden Verfilmung vergangen. Die moderne Technik lässt neue Möglichkeiten zu, die Jackson auch zu nutzen versteht - einem Budget von rund 200 Millionen Dollar sei Dank.

Dabei beeindruckt weniger der Affe selbst und schon gar nicht das andere Getier, das er auf der geheimnisvollen Skull Island hausen lässt. Dinosaurier? Jawohl, Dinosaurier! Schon wieder. Und zwar happig viele. Nein, vielmehr bindet Jackson seine Helden ganz selbstverständlich in die Story ein und gibt ihnen dabei alle "schauspielerischen Möglichkeiten". Mimik und Gestik, spektakuläre Stürze und Kämpfe - es ist viel möglich.

Dabei hat der Film mit der altertümlichen Stop-Motion-Technik des Originals aus den 30er-Jahren einen schier übermächtigen, weil eben charmanten Gegner. Jackson erweist ihm seine Ehrerbietung, übernimmt ganze Szenen, hält sich brav an jede Dramaturgie des Originals, zumal ja auch das Remake in den 30er-Jahren angesiedelt ist. Kong wurde damals als das achte Weltwunder bezeichnet, und tatsächlich hatte die Welt dank der überragenden Tricktechnik Ähnliches bis dahin in den Kinos noch nicht gesehen. Gleiches würde sich heute, da dürfte sich Jackson keinerlei Illusionen hingegeben haben, nicht mehr erreichen lassen.
Die erste Stunde des Films hinterlässt Skepsis. In einer unnötigen Ausführlichkeit stellt Jackson die Protagonisten vor, die später von drei Ausnahmen abgesehen ohnehin irrelevant werden. Wichtig nur: der erfolglose Regisseur Carl Denham (Jack Black), der einen Film auf einer bislang unerforschten Insel drehen will. Jack Driscoll (Adrien Brody), der wider Willen die Schiffsfahrt zu dem Eiland antritt und auf dem Weg als Autor das Buch zum geplanten Film fertig stellt. Und, natürlich: Ann Darrow (Naomi Watts), die weiße Frau, die dem Monsteraffen den Kopf verdrehen wird. Sie alle hatten, so scheint's, zunächst Anweisung, ähnlich überzogen und affektiert zu agieren wie es in den 30-ern im Kino der Fall war. Später dann fügen sie sich dem Monströsen, und gerade Naomi Watts wird zur wichtigsten positiven Überraschung des Films.
Die letzten 120 Minuten des insgesamt drei Stunden langen Werkes gehören dann der Jagd: Kong jagt die Frau, die Menschen jagen Kong, die Dinos jagen die Menschen, Kong jagt die Dinos, Kong jagt die Menschen, und am Ende die Menschen wieder Kong - hoch droben auf dem Empire State Building, auf dem der Affe diesmal deutlich kleiner aussieht als noch im Original. Wahrlich spektakuläre, wenngleich inhaltlich doch überzogenen Szenen finden sich bei alldem, zuvorderst eine wilde Hatz aller Beteiligten durch den Dschungel, die im größten denkbaren Urzeit-Auffahrunfall mündet. Stark und auch ernsthafter: das Duell des Affen gegen die Urzeitwesen, die zuvor leider auch für eine Vielzahl ungewollt komischer Momente sorgen.
Zwischen alldem macht Jackson Pausen, die er entweder mit den kleinen Widrigkeiten eines Dschungelmarschs oder der sich entwickelnden Beziehung zwischen King Kong und der weißen Frau füllt. Eben sie ist es, die dazu auffordert, den Film rückblickend sehr differenziert beurteilen zu müssen. Dass sich eine Form von Liebe entwickelt, daran ließ auch das Original ("King Kong und die weiße Frau" mit Fay Wray, 1933) keinen Zweifel. Doch Peter Jackson treibt es hier unglaublich weit und baut gar klischeehafte Romantik ein, wie sie einem Meg-Ryan-Weihnachtsfilm entstammen könnte. Nur zwei Beispiele: Kong und sein Mädchen vor dem Sonnenuntergang ließe man sich noch eingehen. Sie in New York gemeinsam Eis laufen zu sehen, ist indes des Guten nun wirklich zu viel, zumal die aufdringliche Musik von James Newton Howard kaum Raum für die eigene Fantasie lässt.
Der Film treibt die Vermenschlichung seines tierischen Hauptdarstellers schlicht zu weit, übermittelt seine Botschaft allzu deutlich, gibt sich damit am Ende beinahe der Lächerlichkeit preis und wird zum Opfer seiner eigenen Perfektion. Denn Kong verliert dank exzellenter Computer-Möglichkeiten, die ihm Langeweile, Wut und sogar eine Art Lächeln ins Gesicht zaubern, das Bedrohliche, dass ihm sowohl im Original als auch in der ersten Neuverfilmung von 1976 innewohnte und das auch für die Überzeugungskraft und vor allem für die Komplexität der Geschichte notwendig ist. Was bleibt, ist ein perfektionistisches CGI-Spektakel - eine wilde Mixtur aus "Jurassic Park", "Godzilla" und "Love Story", die zu modern ist, um letztendlich überzeugen zu können.
Autor: Kai-Oliver Derks
Links zum Film
Homepage des Films
Trailer (QuickTime 5)
Infoseite King Kong (US)
Homepage des Films (US)
Trailer 2 (QuickTime 5)
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